Mai
29

Umfrageergebnis bei Nacht...
In den letzten Tagen hat es eine fragwürdige Umfrage bei SZ-Online nicht nur in die Printausgabe, sondern auch mitten die politische Diskussion um die Königsbrücker Straße geschafft. Die Leser von SZ-Online durften zwischen Variante 7, 8.4 und 8.7 auswählen. Zwischenzeitlich stand auch die vierspurige Variante 7 bei über 70%, bei insgesamt ungewöhlich hohen 39.000 Umfrageteilnehmern. Einige zehntausend Umfrageteilnehmer später hat entweder SZ-Online oder ein findiger Skriptschreiber noch einen draufgesetzt und das Ergebnis zu jeweils einem Drittel weiterentwickelt. Ein netter Witz, wie wir finden.

Apr
17

Nachdem wir jahrelang einen fairen Vergleich zwischen dem Bestand und der vierspurigen Ausbauplanung gefordert hatten, brauchte es nicht nur viele Jahre, sondern auch einen grünen Baubürgermeister, bis dieser Vergleich veröffentlicht wird. Ergebnis: vier Spuren sind bergauf sogar langsamer als die alte, holprige Königsbrücker im Bestand. Etwa 220 Sekunden benötigen Autos heute, um vom Albertplatz bis zur Staufenbergallee hochzufahren.

Georg-Schumann-Straße in LeipzigNachdem die Stadt nun viele Jahre hin und her geplant hat und uns die Vertreter der autogerechten Stadt immer wieder klarmachen wollten, dass sich das nur mit dem vierspurigen Ausbau bessern könne, kommt raus: Vier Spuren (also die Ausbauvariante 7) bringt nicht nur Probleme für Anwohner und Fußgänger, macht mehr Lärm und zieht Autoverkehr ins Viertel. Sie macht die Königsbrücker Straße auch für den Autoverkehr langsamer. Um genau 4 Sekunden. Damit ist nun amtlich bestätigt, dass der Bau der vierspurigen Variante nicht nur den lokalen Interessen in der Neustadt zuwidergelaufen wäre, sondern auch eine mit Steuergeld finanzierte, millionenteure Verlangsamung des Autoverkehrs mit sich gebracht hätte.

Nun ist es Zeit, endlich die stadtteilverträglichste und für alle Verkehrsarten sinnvollste Variante umzusetzen. Und das ist Variante 8.4. Mehr Informationen bei Königsbrücker muss leben.

Jun
10

Georg-Schumann-Straße in LeipzigIn Leipzig arbeiten die Planer seit einigen Jahren an einem ganz ähnlichen Projekt wie der Königsbrücker Straße. Im Norden der Messestadt verläuft die Georg-Schumann-Straße, kurz: Schumi. Hier sieht die Situation ganz ähnlich aus, wie auf der Königsbrücker. Noch sind die Gehwege komfortabel breit, aber eine breite Autostraße mit vier Spuren, separatem Straßenbahngleis und Radwegen passt definitiv nicht in den Straßenraum. So wurde ein Kompromiss getroffen: Die Straßenbahn teilt sich mit dem Autoverkehr das Gleis, der Radverkehr bekommt mit Radfahrstreifen ein gutes Angebot und durch den gesparten Straßenraum ist noch viel Platz für nicht-verkehrliche Nutzungen übrig geblieben.

In Leipzig hat man die ersten Abschnitte schon vor einiger Zeit fertiggestellt. Die Straße blüht wieder auf, Läden eröffnen und die Straßenbahn kommt gut durch. Vielleicht sollten die Dresdner Straßenplaner mal eine Exkursion zu ihren Kollegen nach Leipzig machen. Dort funktioniert die Sache ganz jedenfalls gut, sagen Stadtverwaltung und Leipziger Verkehrsbetriebe.

Dez
13

Der Stadtrat hat am 12. Dezember beschlossen, dass den bisherigen vierspurigen Planungen zwei Varianten mit zwei (statt vier) Fahrstreifen gegenübergestellt werden. Dieser Beschluss ist eine Folge der neuen Stadtratsmehrheiten seit dem Sommer 2014: Die Mehrheit aus Linken, Grünen, SPD und Piraten will neben einer Diskussion allein um die “Verkehrsleistung” von Autos und Straßenbahnen die Belange von Fußgängern, Anwohnern und der städtebaulichen Qualität stärken. In der Debatte kam auch zutage, dass die Verkehrsleistung der Könisgbrücker nicht gleichzeitig mit der Anzahl der Autospuren wächst: Durch intelligente Verkehrssteuerung, eine kluge Kreuzungsgestaltung und einen schmaleren Querschnitt kann die Leistungsfähigkeit des Verkehrs optimiert werden. Das Ziel sei, so der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Axel Bergmann, die Straße so breit wie nötig und so schmal wie möglich zu bauen. Inzwischen sei der Autoverkehr aber so weit zurückgegangen, dass die Straßenbau-Richtlinien (RAST 2006) kaum etwas anderes als einen zweispurigen Ausbau nahelegen.

Fuhren beispielsweise im Abschnitt nördlich des Bischofswegs vor einigen Jahren noch 26.000 Autos am Tag entlang, liegt diese Zahl gegenwärtig nur noch bei 14.000 Autos täglich. Margit Hasse von den Grünen sagte in der Stadtratsdebatte: “Wir wollen eine baldige Sanierung, aber keinen Ausbau für ein Verkehrsaufkommen, was es dort schon längst nicht mehr gibt auf Kosten von Vorgärten, Cafes, Gehwegen und der Aufenthaltsqualität. Diese stadtteilverträgliche Sanierung ist auch möglich und verträglich für alle Verkehrsarten und die Anwohner. In der langen Planungsgeschichte der Könisgbrücker Straße ist nie eine zweispurige Variante untersucht worden, obwohl genau das eigentlich in der Richtlinie vorgegeben ist.” Der Stadtrat will vor der Sommerpause 2015 eine Entscheidung zwischen den drei Varianten (der bereits vorliegenden vierspurigen Variante 7 und den zwei neuen zu untersuchenden) treffen.

Wie immer, wenn die Autolobby im Stadtrat ihre Felle davonschwimmen sieht, werden alle Register gezogen: Die FDP hat bereits angekündigt, einen Bürgerentscheid zur Königsbrücker Straße durchführen zu wollen.

Okt
14

Königsbrücker Straße bei TagImmer mal kommt ein Auto vorbei, ein paar Fußgänger schlendern auf dem Gehweg entlang. Eine Straßenbahn bahnt sich den Weg Richtung Klotzsche. Die Ampel schaltet gemächlich auf rot. Und nach einer Weile wieder zurück Richtung grün. So richtig viele Autos fahren trotzdem nicht los. Die meisten parken. Die Pflastersteine gucken zum Himmel und warten, ob es wiedermal regnet. Dann kommt einer mit dem Fahrrad. Klappernd rumpelt es über die Straße, fluchend wechselt der Radfahrer auf den Gehweg. Aber so viele Autos wie in den Verkehrsprognosen sind hier schon lange nicht mehr gefahren.

Ein typischer Dienstag Mittag auf der Könisgbrücker.

Seit Jahren geht der Autoverkehr auf der Königsbrücker Straße zurück. Zwischen 11.000 und 16.000 Autos am Tag hat die Bürgerinitiative über das letzte Jahr gezählt, nie mehr. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 fuhren hier noch 25.000 Autos täglich und für eine vierspurige Straßenführung sehen die Baurichtlinien erst ab 23.000 Autos am Tag einen Bedarf.

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